Konzept Montessori-Kinderhaus am Harras (als pdf-Datei)




Konzept Montessori-Kinderhaus am Harras
Februar 2014

Inhaltsverzeichnis

1. Inklusion (statt eines Vorworts)

2. Grundlagen der pädagogischen Arbeit im Kinderhaus

3. Methodische Umsetzung in der Krippe
3.1. Die vorbereitete Umgebung in der Krippe nach Pikler
3.2. Die Montessoripädagogik
3.3. Selbständigkeitserziehung
3.4. Musikalische Früherziehung
3.5. Toilettentraining
3.6. Projektarbeit
3.7. Partizipation

4. Methodische Umsetzung in der Kindergartengruppe
4.1. Die Montessoripädagogik
4.2. Soziale Umgebung
4.3. Räumliche Umgebung
4.4. Arbeitsweise
4.5. Musikalische Früherziehung
4.6. Künstlerische und kreative Erziehung
4.7. Weitere Höhepunkte im Kindergartenjahr

5. Der Tagesablauf im Kinderhaus
5.1. Krippe
5.2. Kindergarten

6. Die Eingewöhnung im Kinderhaus
6.1. Die Eingewöhnung in der Kinderkrippe
6.2. Die Eingewöhnung im Kindergarten

7. Beobachtung und Dokumentation
7.1. Krippe
7.2. Kindergarten

8. Die Elternarbeit im Kinderhaus

9. Besondere Angebote im Kinderhaus
9.1. Montessoritherapie
9.2. Arbeit am Tonfeld
9.3. Logopädie

10. Verpflegung

11. Organisatorisches
11.1. Bring- und Abholzeiten
11.2. Ferienzeiten
11.3. Hausordnung


1. Inklusion (statt eines Vorworts)
"Jedes Kind ist uns willkommen."


Alle Kinder, gleich welcher Nationalität, Religion oder Kultur sie angehören, welche Sprache sie sprechen, ob sie sich „normgerecht“ entwickeln oder nicht, ob sie behindert oder von Behinderung bedroht sind, haben einen Platz bei uns.
In diesem Sinne ist Inklusion selbstverständlich für die Arbeit im Kinderhaus. Inklusion bedeutet, jedes Kind in seiner Einzigartigkeit mit seinen besonderen Bedürfnissen in die Gemeinschaft aufzunehmen und die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wichtig ist das Lernen miteinander und voneinander. Jeder lernt von jedem, egal wo er herkommt und wie er aussieht.



2. Grundlagen der pädagogischen Arbeit im Kinderhaus

Grundlegend für die pädagogische Arbeit im Kinderhaus sind sowohl die Gedanken Maria Montessoris sowie die Erkenntnisse Emmi Piklers. Beide sind durch die jahrelange, genaue Beobachtung ihrer Arbeit zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Kind sein Entwicklungspotential am besten durch selbstgesteuerte Aktivität in einer vorbereiteten Umgebung entfalten kann. Wesentlicher Bestandteil dieser vorbereiteten Umgebung ist die sichere und feinfühlige Beziehung zu den PädagogInnen. Die PädagogInnen schaffen durch ihre wertschätzende und achtsame Haltung dem Kind gegenüber einen Raum, in dem es selbstständig und selbstbestimmt seinen Aktivitäten nachgehen und sich entfalten kann.

"Hilf mir, es selbst zu tun." Dieser Ausspruch eines Kindes drückt einen wichtigen Grundgedanken Maria Montessoris aus. Erziehung ist Hilfe zum Leben, zur Entwicklung von Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit. Sie unterstützt das Kind in seiner naturgegebenen Fähigkeit zum Selbstaufbau, dem "inneren Bauplan", wie sie es genannt hat. Maria Montessori entwickelte Materialien, die das Kind über das "Greifen zum Begreifen" führen und ihm auf diese Weise helfen, sich die Welt zu erschließen. In diesem Sinne ist das Material „kein Ersatz für die Welt, ..., sondern Helfer und Führer für die innere Arbeit des Kindes. ... Es ist wie ein Schlüssel zur Welt und nicht mit der Welt zu verwechseln.“ (Maria Montessori, Grundlagen in Helene Helming Montessoripädagogik, S. 49)

Emmi Pikler hat als Ärztin und Leitung im Loczy, einem Kinderheim in Budapest in jahrzehntelanger Praxis ihre Erkenntnisse dokumentiert. Wegweisend waren ihre Erkenntnisse über die freie Bewegungsentwicklung sowie die Beobachtung wie sich durch eine achtsame und feinfühlige Haltung bei der Pflege des Kindes (Wickeln, Füttern, etc.) eine sichere Bindung und Beziehung entwickelt.

Diese achtsame Haltung im Umgang mit den uns anvertrauten Kindern ist für die Arbeit in der Krippengruppe aber auch im Kindergarten unverzichtbar und die Basis unserer pädagogischen Arbeit.

Eine weitere Grundlage der pädagogischen Arbeit im Kinderhaus ist das Bayerische Bildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG), mit der Ausführungsverordnung (AVBayKiBiG) und dem Bildungs- und Erziehungsplan (BEP).

Zum Schutz der Kinder handeln wir außerdem nach den Inhalten der Münchner Grundvereinbarung (Sicherstellung des Schutzauftrages nach § 8a und § 72 a SGB VIII).



3. Methodische Umsetzung in der Krippe


„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist; und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller)



3.1. Die vorbereitete Umgebung in der Krippe nach Pikler

Grundlage der Arbeit nach Emmi Pikler ist die schon erwähnte feinfühlige und achtsame Haltung der PädagogInnen.

Ein Element der vorbereiteten Umgebung nach Emmi Pikler ist die Unterteilung der Gruppe durch sogenannte Spielgitter. Auf diese Weise entstehen geschützte, überschaubare Bereiche, in denen die Kinder ungestört ihren Bedürfnissen nachgehen können. Sie können sich in ihre Tätigkeiten vertiefen, das freie Spiel entwickeln, haben aber trotzdem die Gesamtgruppe im Blick.

Im Bewegungsbereich wird die freie Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler durch den Einsatz der von ihr entwickelten Materialien gefördert. (Piklerdreieck, Labyrinthe, Krabbelkisten, schiefe Ebene, etc.)

Die achtsame Pflege (Wickeln, Essen, etc.) nimmt in dieser Altersstufe einen großen und wichtigen Raum des Alltags ein. Sie gibt eine wichtige Gelegenheit für den Beziehungsaufbau und die Beziehungspflege zwischen Kind und Pädagogin. So gibt es zum Beispiel bewusst im Gruppenraum einen für die Kinder selbstständig zu erreichenden Wickelplatz. Die Kinder müssen nicht aus der Gruppe herausgehen und können dort in Ruhe mit der Zeit, die sie brauchen, gewickelt werden.



3.2. Die Montessoripädagogik

Im Montessoribereich sammeln die Kinder mit für diese Altersgruppe entwickelten Montessori-Materialien erste Erfahrungen.

Wir arbeiten vor allem mit Materialien aus den Bereichen Übungen des praktischen Lebens (z. B. Löffeln, Schütten mit Samenkörnern und Gießen von Wasser, Anziehrahmen, Sortierübungen) sowie mit den Materialien aus dem Bereich Sinne (Sehsinn, Tastsinn, etc.). Zudem kommen viele Materialien zur Wortschatzerweiterung aus dem Bereich Sprache zum Einsatz. Erste Grundlagen im Bereich Mathematik werden sozusagen nebenbei im Alltag durch Zählen im Morgenkreis, Mengenzuordnung, etc. gelegt.



3.3. Selbständigkeitserziehung

Die Kinderkrippe des Montessori-Kinderhauses arbeitet ganzheitlich nach der Pädagogik von Maria Montessori. "Hilf mir es selbst zu tun" - so lautet eine der zentralen Aussagen von Maria Montessori, um die Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten zu erziehen. Die Selbständigkeitserziehung steht somit auch bei uns im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit.

Die Selbstständigkeit gliedert sich in drei Unterpunkte auf:

1.Sorge für die eigene Person
o Getränke selbst eingießen
o Brote streichen
o Essen selber auf den Teller schöpfen
o Selbstständig essen
o Kinder kümmern sich um ihr eigenes Wohlergehen (z.B. Nase putzen)
o Abputzen mit Lappen, Hände waschen
o An- und ausziehen (z.B. Hausschuhe, Regenhose)

2.Sorge für die Umgebung
o Tisch wischen
o Kehren
o Blumen gießen

3.Verhalten in der und für die Gemeinschaft
o Tisch decken
o Geschirr abräumen und abspülen
o Sich begrüßen
o Trösten
o Gegenseitige Hilfsbereitschaft


Wir vermitteln im täglichen Ablauf ein Bewusstsein für die Umwelt durch:
Müllentsorgung/-vermeidung (z.B. Bücher kleben – statt entsorgen)
Sparsamer Umgang mit den Ressourcen (z.B. keine Wasser- und Papierverschwendung, richtiges Lüften und Heizen)
Sorgsamer Umgang mit der Umwelt (z.B. Pflanzen und Tieren auf keinster Weise Schaden zufügen)



3.4. Musikalische Früherziehung

Neben dem Arbeiten mit den Arbeitsmaterialien stellt die musikalische Förderung einen weiteren Schwerpunkt dar. Einmal in der Woche kommt eine Musiktherapeutin zu uns ins Kinderhaus und stellt verschiedene Instrumente (Klanghölzer, Gitarre, Rasseln, Glockenspiel, Xylophon, Glockenkranz, Schellenkranz, Handtrommeln) vor, vermittelt Freude am Singen und Musizieren. Die Lieder werden im täglichen Ablauf gerne aufgegriffen. Bewegung spielt eine ganz wichtige Rolle.



3.5. Toilettentraining

Auch das Erlernen des selbständigen Toilettengangs ist eine sensible Phase in der Entwicklung des Kleinkindes. Sobald die Kinder uns durch ihr Verhalten zeigen, dass sie bereit sind, sich diesem Schritt zuzuwenden, halten wir Rücksprache mit den Eltern und bieten den Kindern die Möglichkeit, behutsam und dem Tempo des Kindes entsprechend allmählich die Windel abzugeben.



3.6. Projektarbeit

Neben der Arbeit mit den Montessori- Arbeitsmaterialien stellen Projekte, die uns das ganze Jahr hindurch begleiten, einen Schwerpunkt dar, z.B. ein Projekt wie das Thema "Verkehr". Dazu zählen beispielsweise Gespräche über Busse, Züge, Flugzeuge, Bilderbuchbetrachtungen, kreative Arbeiten zu diesem Thema, Ausflüge ins Verkehrsmuseum, Kontakte zur Polizei, die den Verkehr regelt, usw.



3.7. Partizipation

Im Krippenalltag wachsen die Kinder in die Gemeinschaft hinein und praktizieren eine erste Teilhabe. Das Kind wächst vom Individuum hin zum Gemeinschaftswesen.
Das bedeutet, dass das Kind in seiner sozialen Entwicklung sich erst seiner selbst bewusst werden muss, um dann in einer Gemeinschaft interagieren zu können.
Wo es möglich ist, werden die Kinder auch in der Krippe an Entscheidungen und Abläufen beteiligt. So entscheiden sie z.B. im Morgenkreis, was gesungen wird. Beim Arbeiten mit dem Montessori-Material, sowie in der Freispielzeit entscheidet das Kind, was es wo und mit wem arbeitet bzw. spielt. Sie decken den Tisch, räumen nach dem Essen ab, spülen nach dem Frühstück selbst ab, waschen den Tisch und kehren. Auf diese Weise entsteht ein Miteinander, es wird nicht "für" die Kinder gemacht.



4. Methodische Umsetzung in der Kindergartengruppe


4.1. Die Montessoripädagogik

Die pädagogischen Leitlinien Maria Montessoris bestimmen die tägliche Arbeit im Kindergarten.

Ein wesentlicher Teil ist die vorbereitete Umgebung, sie ist gegliedert in die soziale und die räumliche Umgebung. Während der Schwangerschaft hat das Kind eine vorbereitete Umgebung durch die Natur. Es bekommt Alles, was es braucht durch die Mutter. Nach der Geburt hat der Erwachsene die Verantwortung für die vorbereitete Umgebung. So wie die natürliche Umgebung dem Kind alles gibt, soll auch die künstlich vorbereitete Umgebung im Kinderhaus dem Kind die Voraussetzungen schaffen, sich seinem Potential gemäß zu entwickeln.


4.2. Soziale Umgebung

Unverzichtbar auch im Kindergarten ist die eingangs schon erwähnte achtsame und feinfühlige Haltung der PädagogInnen. Durch sie können die Kinder eine sichere Bindung und Beziehung aufbauen, die soziales Lernen und Lernen grundsätzlich erst ermöglicht. Die/der Pädagogin/e hat Vorbildfunktion, im Gruppenalltag wird soziales Miteinander vorgelebt und erlernt. Die Kinder werden zu Achtung und Ehrfurcht vor dem Leben in seiner Vielfalt erzogen, insofern ist interkulturelle Arbeit eine Selbstverständlichkeit. Die Erziehung zur Sozialität ist das wesentliche Element des pädagogischen Arbeitens in der Kindergartengruppe.


4.3. Räumliche Umgebung

Entsprechend den Lernbereichen steht das Montessorimaterial so bereit, dass es die Kinder selbständig erreichen können.

1. Übungen des praktischen Lebens
Hier stehen dem Kind Materialien des täglichen Lebens zur Verfügung, mit denen das Kind alltägliche Tätigkeiten durchführen kann, z.B. Schütten, Löffeln, Gießen, Schuhe putzen etc. Mit diesen Tätigkeiten erwirbt das Kind Bewegungskoordination und -kontrolle, Ausdauer, Geduld, Konzentration und Selbständigkeit – Voraussetzungen für die Arbeit mit den anderen Materialien.

2. Sinnesmaterial
Dieses Material dient der Förderung der Entwicklung der einzelnen Sinne, das heißt jeder Sinn wird für sich gefördert. Montessori spricht vom "Greifen zum Begreifen". Es wird nach zwei Prinzipien gearbeitet, sensorisch und mit Wortschatzbereicherung. Das Kind erfährt z.B. taktil Größenunterschiede, es lernt und verinnerlicht z.B. den Begriff groß mit seinen Steigerungsformen.

3. Sprachmaterial
Sprache und Sprachentwicklung nimmt einen großen Teil des täglichen Arbeitens ein. Das Sprachmaterial Maria Montessoris. gliedert sich in die drei Bereiche Sprechen, Schreiben und Lesen.
Es wird Wert darauf gelegt, den Kindern viele Gelegenheit en zu geben, sich sprachlich auszudrücken, z.B. im Morgenkreis bei einer Erzählrunde am Montag oder am Spielzeugtag, bei dem die Kinder ein mitgebrachtes Spielzug im Morgenkreis vorstellen. Wir haben Freude an Sprachspielen, Reimen, am Lernen kleiner Gedichte und am Lesen/Vorlesen in der gemütlichen Kuschelecke. Das Singen unseres morgendlichen Begrüßungsliedes oder das Zählen der Kinder in den Sprachen, die in der Gruppe gesprochen werden öffnen das Gehör für die Sprachvielfalt und fördern die Differenzierung.

4. Mathematisches Material
Maria Montessori sagt: „Der menschliche Geist ist ein mathematischer Geist.“ Beim Treppensteigen, Höhen einschätzen, Teilen, überall wird das Augenmaß und der Sinn für mathematische Verhältnisse gebraucht. Dieses Interesse machte sich Maria Montessori zunutze und entwickelte ihr mathematisches Material. Mit ihm erfahren die Kinder Zahlensysteme und mathematische Vorgänge.

5. Kosmische Erziehung
Sie vermittelt dem Kind das Wissen über seine Umwelt, die Welt schlechthin und umfasst die Bereiche Geschichte, Biologie, Geographie, Chemie und Physik. Auch hierfür hat Montessori eigenes Material entwickelt. Mit Hilfe kleiner Experimente werden kosmische Gesetzmäßigkeiten konkret erlebt und nachvollzogen.

Bei regelmäßigen Waldtagen, zweimal im Jahr stattfindenden mehrtägigen Aufenthalten im Kindergartenlandheim in Oberaudorf sowie sonstigen Ausflügen und damit verbundenen Projekten setzen sich die Kinder mit der Welt, in der sie leben, auseinander.

Das Bewusstsein für die Umwelt wird zusätzlich im täglichen Ablauf durch Müllvermeidung und -trennung, sowie sparsamen Umgang mit Ressourcen und sorgsamen Umgang mit der Umwelt geweckt.



4.4. Arbeitsweise

• Das Kind hat die Möglichkeit, frei zu wählen, womit und wie lange es sich mit etwas beschäftigt.
• Jedes Material beinhaltet eine Fehlerkontrolle, das Kind kann selbständig und unabhängig vom Erwachsenen arbeiten. So entwickelt es Selbstbewusstsein.
• Jedes Material ist nur einmal vorhanden, die Kinder lernen Rücksicht zu nehmen und sich abzusprechen

• Nach einer Darbietung des Arbeitsmaterials nimmt die Erzieherin/der Erzieher eine beratende Rolle ein und unterstützt das Kind, wenn es Hilfe benötigt. Ziel ist die Selbstständigkeit des Kindes.

• Wir gestalten den Tag im Sinne der Partizipation gemeinsam, das heißt die Kinder sind auch an den hauswirtschaftlichen Arbeiten wie Frühstücks- und Brotzeitvorbereitung, Geschirr abspülen, Wäsche auf- und abhängen beteiligt, Boden kehren, etc. Hierbei sind Fähigkeiten wie Tragen, Schütten, Gießen, Schneiden etc. gefragt.

Auch beim zweiwöchentlich stattfindenden Kochtag wird erst gemeinsam entschieden, was gekocht wird. Die Kochgruppe geht einkaufen und bereitet das Essen zu. Auf diese Weise wächst Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein. Die in der Beschäftigung mit dem didaktischen Material erworbenen Fähigkeiten werden im Alltag umgesetzt. Im sinnvollen Tun erleben die Kinder Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit.

Wo möglich werden die Kinder in Entscheidungen mit einbezogen, z.B. die Auswahl der Spielplätze, die Zusammenstellung der Kochgruppe, Auswahl der Themen für Projekte und Ausflüge etc. Außerdem werden Feste, Ausflüge etc. immer gemeinsam mit den Kindern vorbereitet.

Auftauchende Probleme, die die Gruppe betreffen, werden in der Gruppe besprochen, gemeinsam mit den Kindern wird nach einer Lösung gesucht.



4.5. Musikalische Früherziehung

Neben dem Arbeiten mit dem Montessorimaterial stellt die musikalische Förderung einen weiteren Schwerpunkt dar. Einmal in der Woche kommt eine Musiktherapeutin zu uns ins Kinderhaus für die musikalische Frühförderung. Sie stellt verschiedene Instrumente vor, vermittelt Freude am Singen und Musizieren – Bewegung ist dabei ganz wichtig. Die Anregungen der musikalischen Frühförderung werden im täglichen Morgenkreis aufgegriffen und weitergeführt. Zusätzlich gibt die Musiktherapeutin Einzeltherapie für die Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben.



4.6. Künstlerische und kreative Erziehung

Im Sinne der vorbereiteten Umgebung stehen für die Kinder vielfältige Materialien bereit, mit denen sie in der Kreativecke ihr schöpferisches Potential entwickeln können, z.B. Ton, Knete, verschiedene Farben und Papiere, etc. In der Bastelkiste werden alle geeigneten Materialien des Alltags und der Natur gesammelt, um sie jederzeit zur weiteren Gestaltung zur Verfügung zu haben.

Einen besonderen Stellenwert hat die Arbeit mit Ton, die regelmäßig in der Woche als Gruppenaktivität angeboten wird. Der Ton steht auch sonst zur freien Verfügung bereit.

Eine Werkecke mit Werkbank, Werkzeug und viel Holz ermöglicht das kreative Schaffen mit Holz.

In regelmäßigen Abständen kommt eine Malerin, die künstlerisch-pädagogisch mit den Kindern arbeitet. Sie erfahren die Grundlagen der Farbenlehre und werden ermutigt, sich selbst auszudrücken



4.7. Weitere Höhepunkte im Kindergartenjahr

• Zwei mehrtägige Aufenthalte, jeweils im Winter und im Sommer, mit der ganzen Gruppe im Kindergartenlandheim der Stadt München in Oberaudorf.

Diese Aufenthalte bringen immer einen großen Gewinn in Bezug auf die Gruppengemeinschaft. Nach der Rückkehr ist außerdem bei allen Kindern jedes Mal ein deutlicher Zuwachs an Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu beobachten.

• Konzertbesuche

• Museumspädagogische Führungen

• Kennenlernen von Berufen, wie Polizei, Imker, Instrumentenbauer, etc.

• Waldtage zu den vier Jahreszeiten

• Laternenfest, Adventsnachmittag und Sommerfest werden gemeinsam mit den Krippenkindern und allen Eltern gefeiert.



5. Der Tagesablauf im Kinderhaus


5.1. Krippe

07:30 - 08:30 Bringzeit, Freiarbeits-/ Spielzeit
08:30 - 09:00 Morgenkreis: Besprechen von Anwesenheit der Kinder, Datum, Wetter, Singen, Fingerspiele, etc.
09:00 - 10:00 Bringzeit
09:00 - 09:30 gemeinsames Frühstück
09:30 - 10:45 Wickeln, Toilettengang, Freiarbeit mit Montessori- und sonstigen Materialien, Freispiel-/Angebotszeit)
10:45 - 11:30 Aufenthalt im Bewegungsraum
11:30 - 12:15 Mittagessen und Vorbereitung für die Mittagsruhe
13:00 Abholzeit
12:15 - 14:00 Mittagsruhe
14:00 - 14:30 Abholzeit, Ende der Mittagsruhe, Wickeln/Toilettengang
15:00 Abholzeit
14:45 - 16:00 Spielplatz
16:00 - 16:30 Abholzeit, zugleich Aufenthalt im Bewegungsraum mit den Kindergartenkindern


5.2. Kindergarten

07:30 - 08:30 Bringzeit, Freiarbeitszeit
08:30 - 09:00 Morgenkreis: Gespräche über aktuelle Themen, anstehende Fragen, Singen, Spiele oder Buchbetrachtung. In dieser Zeit nehmen wir keine Kinder an, um den Morgenkreis ungestört durchführen zu können.
9:00 Bringzeit
9:00 - ca. 9:45 Gemeinsames Frühstück
9:45 - 11:30 Freiarbeitszeit oder Aufenthalt im Freien
11:30 - 12:15 Aufenthalt im Bewegungsraum oder Freiarbeitszeit
12:15 - 13:00 Mittagessen, Zähneputzen
13:00 Abholzeit
13:15 - 14:00 Ruhephase: Schlafen nach Bedarf, Vorlesen oder Hören von CDs
14:00 - 14:30 Abholzeit, anschließend kurze Brotzeit
14:45 - 16:00 Spielplatz oder Freiarbeit im Gruppenraum
15:00 Abholzeit
16:00 - 16:30 Abholzeit, gleichzeitig Aufenthalt im Bewegungsraum gemeinsam mit den Krippenkindern



6. Die Eingewöhnung im Kinderhaus

6.1. Die Eingewöhnung in der Kinderkrippe

Um dem Kind den Einstieg in die Krippe zu erleichtern, haben wir ein Konzept zur sanften Eingewöhnung erarbeitet. Dabei spielt die Unterstützung der vertrauten Bezugsperson eine ganz wichtige Rolle.
In der Regel dauert die Eingewöhnungszeit 3 Wochen. Es kann aber auch kürzer oder länger dauern, bis sich das Kind an den neuen Tagesablauf gewöhnt hat. Die Eingewöhnungszeit passen wir an die Bedürfnisse des Kindes an.
Um den Eltern und ihrem Kind den Start in die Krippe zu erleichtern, haben wir wichtige Grundsätze aufgeschrieben, die die Eltern bei dem Vorbereitungsgespräch erhalten.
Vor der offiziellen Eingewöhnung freuen wir uns auf ein Erstgespräch. Das Erstgespräch ermöglicht einen ersten näheren Kontakt zwischen den Eltern und dem pädagogischen Personal und ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes. Dabei werden alle wichtigen Informationen über die organisatorischen Belange unseres Kinderhauses, die Vorgehensweise in der Eingewöhnungszeit sowie die individuellen Bedürfnisse des Kindes (und seiner Familie) besprochen.


1. Das Kind wird in der Eingewöhnungsphase regelmäßig gebracht und längere Fehlzeiten sollten vermieden werden, da sie den Eingewöhnungsprozess verzögern.

2. Die ersten Tage bleibt der Elternteil, der bei der Eingewöhnung dabei ist, mit seinem Kind in der Krippe. Dies ist eine notwendige Sicherheit für das Kind.

3. Während der Eingewöhnungszeit in der Krippe ist ein zurückhaltendes Verhalten angebracht: der Elternteil beobachtet sein Kind, das pädagogische Personal und die anderen Kinder.

4. Nach Absprache mit dem Elternteil wird der Zeitpunkt der ersten kurzen Trennung vom Kind festgelegt.

5. Ein kurzer, für das Kind erkennbarer Abschied ist wichtig.

6. Der Elternteil verlässt den Gruppenraum und bleibt im Kinderhaus. Das Verhalten des Kindes zeigt uns, ob der erste Trennungsversuch gelungen ist.

7. Längere Trennungszeiten werden vereinbart – eine telefonische Erreichbarkeit ist selbstverständlich.

8. Weitere Schritte der Eingewöhnung werden nun ganz individuell auf das Kind abgestimmt:
- Tageszeit, Dauer und Anwesenheit werden besprochen
- Eltern tauschen Informationen mit dem pädagogischen Personal aus
- Behutsam übernimmt das pädagogische Personal sensible Aufgaben wie Essen, Wickeln und Schlafen mit dem Kind.

9. Nach ca. 3 Wochen hat das Kind sich bei uns eingelebt und die Eltern spüren, dass sich das Kind und sie selbst im Kinderhaus wohl fühlen.

Für die weitere Zeit in der Krippe sind wir auf einen ständigen Austausch angewiesen. Wir halten die Eltern auf dem aktuellen Stand zu den Themen ihres Kindes. Wir sind auch jederzeit für alle Fragen offen.


6.2. Die Eingewöhnung im Kindergarten

Die Kinder, die von der Krippengruppe in den Kindergarten wechseln, sind schon an das Kinderhaus gewöhnt. Der Übergang in den Kindergarten bedeutet für sie keinen Neuanfang. In der Regel sind sie stolz, zu den „Großen“ zu gehören und stellen sich ohne Schwierigkeiten auf den neuen Tagesablauf um.

Die Eingewöhnung neuer Kinder in die Kindergartengruppe erfolgt ohne die Anwesenheit der Eltern. Die Eltern waren vorher schon zu einem Kennenlernen mit dem Kind im Kinderhaus, verabschieden es an der Kindergartentüre und halten sich am ersten Tag im Büro auf. Die Dauer des Aufenthalts wird von dem Befinden des Kindes abhängig gemacht, in der Regel ist es eine Stunde. Die Eingewöhnungszeit wird täglich den Bedürfnissen des Kindes entsprechend erweitert bis zur vollen Betreuungszeit. So dauert die Eingewöhnungszeit eines Kindergartenkindes etwa zwei bis drei Wochen.



7. Beobachtung und Dokumentation


7.1. Krippe

Die Beobachtung der Krippenkinder und die Auswertung zu einem bestimmten Zeitpunkt geschehen mit Hilfe eines im Haus erstellten Krippenbeobachtungsbogens.
Fortlaufend werden weitere Beobachtungen notiert.


7.2. Kindergarten

Die systematische Beobachtung im Kindergarten erfordert mit den Beobachtungsbögen Perik, Sismik, und Seldak. Zusätzlich verwenden wir ein eigenes Beobachtungsschema, das im Kinderhaus für die Entwicklungsbeobachtung der Kindergartenkinder entwickelt wurde. Fortlaufend werden im Kinderalltag weitere Beobachtungen notiert.



8. Die Elternarbeit im Kinderhaus

Elternarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit, erwünscht ist ein guter und regelmäßiger Kontakt zu den Eltern.
Möglichkeiten zum Austausch gibt es in kurzen Gesprächen beim Bringen und Abholen der Kinder, den sogenannten Tür- und Angelgesprächen.

Zudem bieten die Entwicklungsgespräche Möglichkeiten zu einem intensiven Austausch über den Entwicklungsstand des Kindes dar. Regulär findet dies einmal im Kinderhausjahr statt, bei Bedarf auch mehrmals. Dies erfolgt nach Absprache mit den PädagogInnen der Gruppe. Eltern haben im Kinderhaus jederzeit bei allen Fragen und Anliegen die Möglichkeit kurzfristig einen Gesprächstermin mit den PädagogInnen zu vereinbaren.

Zu Beginn des Jahres findet immer Anfang Oktober ein Einführungselternabend statt, an dem sich das gesamte Team vorstellt, ein Elternbeirat gewählt wird und aktuelle Fragen besprochen werden.
Zusätzlich gibt es im Verlauf des Kinderhausjahres einen weiteren, themenspezifischen Elternabend, wozu in der Regel externe Referenten eingeladen werden. Bei der Festlegung der Themen sind Wünsche oder Vorschläge der Eltern gefragt.
Zudem besteht die Möglichkeit bei Bedarf an Elternabenden die Montessori-Pädagogik und die Arbeit mit den Materialien näher kennen zu lernen.

Einmal jährlich wird eine Elternbefragung durchgeführt, mit deren Hilfe wir eine Bewertung unserer Arbeit erfahren und Eltern eine zusätzliche Gelegenheit haben, Wünsche, Anregungen und Kritik weiter zu geben.

Der Elternbeirat des Kinderhauses kümmert sich um die Weitergabe von Anliegen der Eltern an das pädagogische Personal und umgekehrt. Außerdem übernimmt er organisatorische Aufgaben, z.B. bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen.



9. Besondere Angebote im Kinderhaus

Die folgenden Angebote bereichern das Gesamtkonzept und stehen bei Bedarf allen Kindern zur Verfügung.


9.1. Montessoritherapie

Montessoritherapie wurde am Kinderzentrum in München als eigenständige Therapieform im Bereich der Sozialpädiatrie entwickelt. Montessoritherapeutisches Arbeiten ist eine Verbindung aus pädagogischen, medizinischen und psychologischen Kenntnissen. Die Bemühungen sind auf den Patienten in seinem Umfeld ausgerichtet. Das heißt Eltern, sonstige Familie, Kindergarten oder Krippe, Schule etc. werden eng mit in die Arbeit einbezogen.

Montessoritherapie basiert auf den Grundlagen und Erkenntnissen der Montessoripädagogik und –Heilpädagogik. Das Material wird wenn notwendig adaptiert oder bei speziellen Anforderungen neu erstellt. Sie richtet den Fokus auf die Fähigkeiten des Kindes, um positive Akzente zu setzen. Die kognitive Entwicklung des Kindes wird gefördert und auch gefordert. Die Umwelt wird sensibilisiert, sich nicht an einer Diagnose und der oft damit verbundenen Erwartungshaltung auszurichten, sondern an dem vorhandenen Potential.


9.2. Arbeit am Tonfeld

Manchmal muss ein Kind vor der Hinwendung zu anderen Tätigkeiten sich erst noch in den Basisbereichen stärken. Hierfür wird im Kinderhaus die „Arbeit am Tonfeld“ angeboten. Was ist darunter zu verstehen? Da ist das Tonfeld, ein mit Tonerde gefüllter Kasten mit einer Schale Wasser daneben. Er wird von dem Kind, das daran arbeitet ohne jede Vorgabe, ausschließlich seinem inneren Bedürfnis folgend gestaltet. Das Material spricht an und fordert auf, hineinzugreifen, es ist da und gibt den Händen Halt. In der Auseinandersetzung mit ihm erlebt das Kind seine bisherigen Handlungsschemata, hat die Möglichkeit neue zu erwerben, sich damit zu spüren und selbst zu erfahren. Durch die achtsam stattfindende Begleitung als Basis für dieses Geschehen kann sich das Kind dem stattfindenden Prozess öffnen, ihn erleben und daran wachsen.


9.3. Logopädie

Im Kinderhaus besteht in Zusammenarbeit mit der logopädischen Praxis Schanze-Lenzen in Sendling. Die Kinder bringen ein Rezept, die Behandlung erfolgt durch eine Mitarbeiterin der Praxis, die ins Haus kommt. Mit den Eltern und Pädagoginnen des Kinderhauses findet eine enge Zusammenarbeit statt.



10. Verpflegung

Unser Anliegen ist es, die Kinder gesund zu ernähren und ihnen eine ausgewogene und gesunde Ernährungsweise zu vermitteln

Die Eltern werden gebeten, zwei Mal jährlich das Frühstück für einen Zeitraum von zwei Wochen zu besorgen, eine Liste wird vom Personal ausgehändigt. Getränke (Früchtetee und Wasser) werden vom Kinderhaus bereitgestellt.

Das biologische, vollwertige Mittagessen wird ebenfalls durch das Kinderhaus bereitgestellt, die Kosten dafür sind von den Eltern zu tragen.

Das bedeutet, dass den Kindern keine zusätzliche Nahrung mitgegeben werden soll.



11. Organisatorisches


11.1. Bring- und Abholzeiten
Die Bring- und Abholzeiten sind dem Konzept unter dem Punkt "Tagesablauf" zu entnehmen.

Aus pädagogischen Gründen bitten wir die Eltern, es zu ermöglichen, dass die Kinder bis 8.30 Uhr gebracht werden, da durch den gemeinsamen Morgenkreis die Gemeinschaft gestärkt wird.


11.2. Ferienzeiten
Die Ferienordnung wird am Anfang des Kinderhausjahres festgelegt. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist der Kindergarten entsprechend den bayerischen Schulferien geschlossen. In den Sommerferien schließt das Kinderhaus für drei Wochen, in der Regel in der ersten Ferienhälfte der Schulferien in Bayern. Brückentage sind frei, ansonsten ist das Kinderhaus geöffnet.


11.3. Hausordnung
Um eine klare und angenehme Zusammenarbeit zu gewährleisten, haben wir eine Hausordnung verfasst, die fester Bestandteil des Kinderhausvertrags ist. In ihr sind die genauen Regelungen festgelegt.